[Darstellung Größer 1 wählen.] [zum Inhalt (Taste Alt+8).] [zur Auswahl (Taste Alt+7).] (Taste Alt+6).

SPD Neutraubling.

Kommunalpolitischer Stammtisch der SPD – Thema Fachkräftemangel, ja oder nein! :

Wirtschaft

Die Rolle der Frau in der Gesellschaft muss sich ändern. Solange die Menschen kein gewisses Maß an Sicherheit für ihre Lebensplanung finden, wird in Deutschland auch die Geburtenrate nicht steigen.

Die SPD lud zum kommunalpolitischen Stammtisch Thema Fachkräftemangel in Deutschland?

Sepp Weitzer, Kreisrat und Betriebsrat im größten Unternehmen Neutraublings, und Unternehmer Markus Pesth, Steuerberater, diskutierten mit den Gästen.

Beide waren sich darin einig: Fachkräftemangel gibt es in Deutschland sehr wohl, dabei gilt es aber zu differenzieren:

Für Kreisrat Sepp Weitzer wäre die Frage ob es Fachkräftemangel gibt oder nicht, zu einfach gegriffen. Ja,  in Ballungszentren Bayerns herrscht auf jeden Fall Fachkräftemangel. Viele Leute wären zur Flexibilität bereit und würden in ein anderes Bundesland umsiedeln,  wenn dort sichergestellt wäre, dass man ein festes Arbeitsverhältnis und bessere Bezahlung erhält. Doch wer ist bereit von einem unbefristeten Arbeitsverhältnis in eine andere Stadt zu ziehen, um dort ebenfalls ein unbefristetes Arbeitsangebot zu erhalten.  Die Menschen brauchen mehr Sicherheit für ihre Lebensplanung. Dann würde  auch die Geburtenrate wieder ansteigen. Nehme man heute eine Frau mit 25 Lebensjahren – es besteht der Kinderwunsch. Ab sofort stellen sich die Fragen: „Können wir uns das überhaupt leisten? Sind ausreichende und bedarfsgerechte Kinderbetreuungsmöglichkeiten am Ort vorhanden?„ Nicht alle Kommunen verfügen über die finanziellen Möglichkeiten und bieten ihren Bürgerinnen und Bürgern ein so breit gefächertes Betreuungsangebot, wie die  Stadt Neutraubling. Neutraubling hat hier groß investiert!

Fachkräftemangel gibt es nicht überall: Aber besonders gravierend beispielsweise im Pflegebereich: Keine Anerkennung in der Gesellschaft, schlechte Arbeitszeiten, miserable Bezahlung, das typische Bild. In vielen anderen Ländern begegnet man den Pflegekräften auf einem anderen Niveau. Dort finden sie verdiente Anerkennung in der Gesellschaft und eine bessere Entlohnung.

Auch im Lagerwesen und Speditionsbereich zeichnet sich ein hoher Fachkräftemangel ab.  Früher waren Berufsfahrer gut bezahlt und angesehen. Heute ist der Leistungsdruck und schlechte Bezahlung der Berufsfahrer nicht mehr auszuhalten. Die Familie bleibt auf der Strecke. Der Leistungsdruck dabei brutal. Das soziale Leben findet in der Raststätte der Autobahn statt. Nein Danke, das ist keine Zukunftsperspektive, so Kreisrat Sepp Weitzer.

Vor 10 Jahren haben die Menschen besser verdient wie heute und das mit einem unbefristeten Arbeitsverhältnis. Da war noch mehr Planungssicherheit für das Leben vorhanden.

Markus Pesth, Neutraublinger Unternehmer, beleuchtete die Situation aus der Sicht der Arbeitgeber. Die Arbeitgeber mit 1 bis 80 Arbeitnehmern, die auch die tragenden Säulen unserer Wirtschaft darstellen, nicht die wenigen großen Unternehmen.

Die großen Unternehmen sind es, die den kleinen und mittleren Betrieben einen Großteil der Fachleute wegnehmen, seine Meinung. Ein kleiner Unternehmer kann sich die teilweise sehr hohen Lohnkosten nicht leisten. Also bleibt er beim Thema Fachkräfte oftmals auf der Strecke.  Man spricht in unserer Region bzw. Regensburg von einer Vollbeschäftigung – die Zahl 2,3 % Arbeitslosenquote wurde genannt. An der Korrektheit dieser Zahl zweifelt auch der Steuerunternehmer. Denn, wer sich beispielsweise auf einer Umschulungsmaßnahme befindet oder nur stundenweise tätig sein kann, ist in der Statistik meist nicht erfasst, so Markus Pesth.

Thema Mindestlohn mit 8,50 Euro – Bei einer Versammlung führender Neutraublinger Unternehmer stellte er jüngst die Frage in den Raum, wer denn mit einem Gehalt von ca. 1.500 Euro brutto im Monat denkt leben zu können, das wäre nämlich dann der Mindestlohn.

Aus Erfahrung weiß Steuerberater Markus Pesth, dass es Branchen in der Region gibt, die händeringend nach Fachkräften suchen, aber chancenlos bleiben. Auch in seiner Steuerkanzlei sucht er seit einem Jahr nach geeigneten Mitarbeitern. Viele Unternehmer suchen mittlerweile deutschlandweit und nicht nur in der Region. Metallverarbeitung, Handwerksbereiche wie Bodenleger und Sanitärbereich, Fuhrunternehmer etc. - sie finden niemanden in der Region. Wenn man den Fachkräftemangel auf Regionen bezieht, ist Bayern absolut davon betroffen. Aber auch die neuen Bundesländer sind inzwischen teilweise wieder vom Fachkräftemangel betroffen. Beispiel Thüringer Wald: Nach der Wende sind dort viele junge Arbeitnehmer abgewandert. Jetzt werden auch dort wieder Arbeitskräfte gesucht. Im Bereich der Bürofachkräfte ist der Markt größtenteils übersäht – bezieht man das aber auf spezielle Aufgabenbereiche, wie Steuer- oder Rechtsanwaltsfachangestellte, bekommt man kaum qualifizierte Menschen.

Markus Pesth glaubt nicht, dass sich der Fachkräftemangel allein durch die Öffnung des Marktes für ausländische Arbeitnehmer lösen lässt, denn nur wer perfekt die Deutsche Sprache beherrscht, hat wirklich Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen.

Nach ausreichender lebendiger Diskussion mit ausreichender Analyse der tatsächlichen Situation suchte man in der großen Runde nach Lösungsmöglichkeiten:

Der Fachkräftemangel, wo es ihn gibt, ist vor allem auch ein gesellschaftliches Problem. In Verantwortung sind nicht nur die Politiker.  Es müssen viele Weichen gestellt werden, um entgegenzuwirken, die einhellige Meinung:

  1. Das Ansehen und der Stellenwert der Handwerker müssen sich wieder verändern. Anerkennung und Akzeptanz  dürfen nicht nur Akademiker in unserer Gesellschaft genießen.
  2. Schulabschlüsse: Realschüler und Mittelschüler erfahren in der Gesellschaft relativ schlechtes Ansehen; 90 % der jungen Abiturienten  wollen studieren. 
  3. In Verantwortung sind die Eltern und die Schule: Sie müssen schon früh darauf hin einwirken, und analysieren  welche Eignungen bei den Kindern vorhanden sind und welche Berufschancen für die anstrebenswerte Lebensplanung sich dadurch ergeben.
  4. Ein Umdenken bei der Rolle der Frau und Mutter in unserer Gesellschaft muss zwingend erfolgen. Dabei geht es nicht nur um die Verbesserung der Entlohnung der Frauen. Wie sieht das traditionelle Arbeitsbild einer Frau immer noch aus: Meist ist die Rolle der Frau noch von der Aufgabe als Erzieherin ihrer Kinder und Versorgung des Haushaltes geprägt. Hier muss Flexibilität und eine andere Meinungsbildung stattfinden. Viele bestens qualifizierte Frauen gehen unserem Arbeitsmarkt dadurch verloren.
  5. Betrachtet man das derzeitige traditionelle Familienbild: So ist in der Regel  immer noch der Vater derjenige, der in der Hauptsache die Familie finanziell trägt. Er verdient relativ gut und deshalb ist es für die Frau oftmals nicht anstrebenswert mit zu verdienen. Die Kinderkrippe kostet in der Regel so viel, wie der geringe Verdienst, den die Frau erwirtschaften könnte. Fazit:   Die Frau bleibt beim Kind zuhause. Wagt man in diesem Zusammenhang einen Blick in beispielsweise unser Nachbarland Frankreich.  Dort ist es beinahe selbstverständlich, dass die Frau nach sechs Wochen Kinderpause wieder arbeiten geht ohne dass, wie dies bei uns zum Teil der Fall ist, der Eindruck einer „Rabenmutter“ entsteht.
  6. Auch eine Möglichkeit dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken  wäre es, dass man den Asylbewerbern, die teilweise sehr gut ausgebildet sind, eine Chance gibt, sich am Arbeitsmarkt zu bewähren.

Am Ende bleibt zu sagen:  Gesellschaft und Politik sind zum Umdenken aufgefordert, wenn sich am Arbeitsmarkt etwas zum Positiven ändern soll.

Wir bedanken uns bei allen Beteiligten für ihre äußerst interessanten Beiträge aus Erfahrungen und Einschätzungen zu diesem wichtigen Themenbereich.

Gabriele Drallmer

1.Ortsvereinsvorsitzende/Fraktionsvorsitzende

 

- Zum Seitenanfang.